9. Assessing (1/2)

Burning Mellory 74740K 2021-08-22

duke war allein im gewchshaus zuruck geblieben, nachdem nosedive mit neu gefasstem mut gegangen war. nun schlenderte der graugefiederte zwischen den pflanzen umher und uberlegte. er wusste was nosedive dachte; er konnte sich vorstellen, was wildwing empfand; das einzige, das er nicht wusste, war, wie mallory zu all dem stand. frauen waren mitunter schwer zu durchschauen. gleiches galt fur tanya. sie hatte ihm noch keine antwort gegeben. genaugenommen hatte sie, nachdem er sie gefragt hatte, ob sie mit ihm ausgehen wurde, uberhaupt nicht mehr mit ihm gesprochen. sie war verstummt und in eine starre verfallen. direkt im anschluss waren die anderen gekommen und von da an waren sie keinen moment mehr allein gewesen. er konnte ihre stille einfach nicht deuten. naturlich hoffte er, dass ihre reaktion durch berraschung und freude ausgelst worden war. dass sie, nervs und aufgeregt, keine positive antwort heraus bekommen hatte – aber er befurchtete, dass hier der wunsch der vater des gedanken sein knnte. vielleicht konnte sie sich auch nur nicht dazu durchringen, ihm eine absage zu geben. ein netter abend, ein kleiner flirt, und dann diese einladung. vielleicht war es einfach zu viel oder es ging ihr zu schnell. oder aber, und das gestand duke sich nur mit einigem widerwillen ein, tanya hatte schlichtweg kein interesse an ihm.

er seufzte. es hatte im grunde uberhaupt keinen sinn daruber nachzugrubeln, denn letztendlich fuhrte es zu nichts. aber warten verleitet hufig zu den spektakulrsten luftschlssern. oder zu den dunkelsten kerkern.

er blieb vor einem hibiskus-strauch stehen und griff nach einer weien blute, um sie nher zu sich zu ziehen, damit er ihren duft einatmen konnte. mitten in der bewegung hielt er jedoch inne als er merkte, dass seine hand, leicht nur, aber doch sichtbar, zitterte. auf seine ruhigen hnde war er immer stolz gewesen und mehr als einmal hatte er gescherzt, dass er ein guter chirurg geworden wre, wenn man operationswerkzeug mit edelsteinen verziert htte. unglubig hielt er die hand vors gesicht und lachte halblaut. nach all den jahren und mit all deiner erfahrung macht dich eine ausstehende antwort immer noch nervs? manche dinge fuhlten sich wohl jedes mal neu an, egal wie oft man sie schon erlebt hatte.

seine gedanken wanderten wieder zu nosedive. auch er durchlebte gerade eine situation, die, egal wie oft man sich ihr im leben gegenuber sah, immer neu blieb, und auf die man im grunde niemals vorbereitet war. er dachte daruber nach, wie sich diese ganze sache wohl noch entwickeln wurde. es war seiner meinung nach bereits zu spt dafur, dass alle beteiligten unverletzt blieben. mindestens einer wurde leiden und er wunschte es keinem von ihnen. er hoffte nur, dass nosedive, sollte er der leidende sein, es gut verkraften wurde, denn er schien zur zeit verletzlich zu sein. es hatte ihn sichtlich erwischt, mit haut und haaren. die erste groe liebe tut immer besonders weh. er schuttelte den kopf. wann war er so negativ geworden? und gerade jetzt, wo er selbst seit langem wieder ein kribbeln in der bauchregion spurte. wie blind war er doch gewesen…

er atmete tief durch und streckte sich. es hatte keinen sinn es aufzuschieben. er sollte seinen eigenen rat befolgen und sich der antwort stellen, auf die er wartete – welche auch immer es sein mochte. gerade als er das gewchshaus verlassen wollte, sah er auf einem regal eine orchidee stehen, die seine aufmerksamkeit auf sich zog. sie hatte mehrere weie bluten die mit einem hellen rosa durchzogen waren. sie waren prachtvoll und wirkten trotzdem zart, fast sanft. und stand die orchidee nicht fur verehrung? (*) er nahm eine kleine gartenschere vom tisch und zwickte sich einen kleinen stngel mit drei bluten ab. egal wie tanya sich entscheiden sollte, er war bereits verloren.

lchelnd verlie der graue erpel mit dem orchideenzweig in der hand als zweite person an diesem morgen das gewchshaus mit hoffnungsvollem herzen.

"auf keinen fall, phil!"

"aber wildwing, das wird einschlagen wie eine bombe. die fans werden ausrasten!"

"ich sagte nein."

"aber es ist doch nichts dabei. es werden ja keine unanstndigen aufnahmen gemacht. nur vllig geschmackvolle bilder von sportlern, die ein wenig ihre muskeln spielen lassen. und ich habe auch noch gar nicht erwhnt, wie hoch die gage ist, die ich ausgehandelt habe."

"das ist auch nicht ntig. die antwort bleibt nein."

wildwings nerven neigten sich ihrem dunnen ende zu. dieses gesprch dauerte ihm schon viel zu lange. er stand in phils buro mit verschrnkten armen und einem konstanten kopfschutteln und konnte nicht mehr sagen, wie oft er das wort "nein" bereits benutzt hatte. aber wie gewhnlich war phil palmfeather nahezu resistent gegenuber einer abschlgigen antwort. wildwing hatte schon oft gedacht, dass die zhigkeit ihres managers eine seiner besten eigenschaften war, wenn er sein talent nicht stndig dafur einsetzte, es gegen sein team zu wenden. es wollte wildwing einfach nicht in den kopf, wie er nur immer wieder mit solch abstrusen engagements an ihn herantreten konnte. und soweit er es beurteilen konnte, war phil doch tatschlich jedes mal aufs neue erstaunt, wenn ihn wildwing abblitzen lie. also wirklich, eine dessous-fotoserie? wie konnte der schmerbuchige auch nur eine sekunde annehmen, dass wildwing sich zu so etwas

eitschlagen lassen wurde. lernresistent war er wohl auch.

um das gesprch zu beenden, denn wildwing war klar, dass phils durchhaltevermgen in dieser beziehung sein eigenes ubertraf, unter

ach der teamcaptain der mighty ducks ihn mit dem satz: "wenn du unbedingt darauf bestehst, knnten wir daruber sprechen fur einen unserer sportartikelhersteller zu werben. aber unterwsche – auf keinen fall! das ist mein letztes wort!"

"na, dann haben wir doch einen deal. die stellen auch sport-funktionsunterwsche her. das macht sich auf den werbeplakaten zwar nicht so schmuck wie dessous aber- hey, wo gehst du hin?"

wildwing schloss die tur hinter sich. und dabei hatte der tag so gut angefangen, dachte er erschpft. er machte sich auf den weg zu den unterkunften unter dem stadion und lie den blick uber die eisflche schweifen. er dachte daran, dass er unbedingt noch den neuen trainingsplan fur die kommende woche erstellen musste. eigentlich wre auch fur heute training geplant gewesen, aber sie waren zurzeit in ausnehmend guter form und er wollte seinen leuten nach dem vorherigen abend ein wenig ruhe gnnen. er nutze seinen kommunikator um den eingetragenen trainingsblock fur diesen nachmittag auf den kommenden tag zu verschieben. durch drake one wurden auch alle ihre termine verwaltet, so dass sie alle jederzeit darauf zugreifen konnten.

er dachte nach. er wusste nicht, wann er wieder mit mallory sprechen wurde. auf keinen fall wollte er sie drngen. er hatte seinen zug getan und nun blieb ihm nur zu warten. auch bei duke und tanya schien sich etwas anzubahnen, auch wenn er sich nicht sicher war, was es genau war. stirnrunzelnd dachte er daruber nach, wie unter diesen umstnden wohl das gemeinsame abendessen ablaufen wurde. und pltzlich fiel ihm etwas ein. wenn sie sich sowieso eine zweitgige auszeit gnnten, knnte er auch, was er sonst eher selten tat, einen "pizzaabend" einberufen. das taten sie nicht oft, es war aber jedes mal ein voller erfolg.

ursprunglich war es ein abend an dem sie, wie der name es vermuten lie, pizza bestellten. mit der zeit kam noch das gemeinsame schauen eines filmes dazu. inzwischen wurden an einem solchen abend unmengen von junkfood, und softdrinks bestellt, sie liehen gleich mehrere filme aus und stritten dann den halben abend daruber, was sie schauen sollten. mallory mochte actionfilme und zu seiner berraschung romantische schnulzen. tanya liebte science fiction – auch wenn sie dieses genre auf der erde eher als amusant empfand. sein kleiner

uder liebte horrorfilme und, ebenso wie duke, komdien. abenteuer- bzw. heldenfilme waren neben duke auch wildwings geschmack und grin schaute alles, ohne je eine prferenz zu uern. wenn man nach lngerem hin und her sich dann schlielich zu einem film durchringen konnte, versuchten die "verlierer" den "gewinnern" den film durch kommentare, zwischenrufe und lautes lachen den filmgenuss schwer zu machen. und trotz all dessen amusierten sich die ducks jedes mal ausnehmend gut – vielleicht auch gerade deswegen.

wildwing betrat den gemeinschaftsraum und traf grin und duke, die gerade karten spielten.

"hey wing, mchtest du mitspielen?" fragte ihn duke, an dessen gesicht man sehen konnte, dass er am gewinnen war.

wildwing schuttelte den kopf. "nein danke, ich spiele nur, wenn ich auch eine chance habe zu gewinnen." duke grinste. wildwing bemerkte in einem wasserglas neben duke einen vereinzelten blumenzweig, entschied sich aber aus einem bauchgefuhl heraus nicht danach zu fragen.

grin legte eine karte in die mitte und schaute dann zu wildwing. "das training wurde verlegt?"

"ja, ich denke, heute sollten wir uns noch erholen, damit wir morgen voll da sind. aber wenn wir gerade dabei sind, ich htte einen vorschlag fur heute abend…"

mallory und tanya saen im einkaufszentrum in einem kleinen café vor zwei groen latte macchiato und schauten durch die scheibe dem regen treiben zu. gerade sagte die jungere zur lteren: "ich kann es kaum glauben, dass wir wirklich hier sitzen und uns uber erpel unterhalten. besonders uber diese erpel." ihre stimme hatte zwar einen unglubigen unterton, aber ihr lcheln verriet sie.

"naja, uberleg mal, mal. wir htten es wirklich schlimmer treffen knnen. als die mitglieder der widerstandsgruppe rekrutiert wurden, wurde schlielich nur auf die fhigkeiten wert gelegt, nicht hingegen auf den charakter-"

"oder das aussehen!" warf mallory lachend ein.

tanya grinste. "nein, aber das war auch gut so, sonst wurden wir wohl immer noch in ketten sklavendienste tun. aber nun, da puckworld und wir in frieden leben, und mit denen auskommen mussen, die mit uns hier gestrandet sind... nun, ich mag sie alle miteinander. es sind wirklich gute jungs." tanyas lcheln war warm und herzlich und mallory nickte zustimmend.

"das stimmt. und einige...", sie machte eine bedeutungsvolle pause und sah tanya grinsend von der seite an, "einige ganz besondere erpel haben noch andere qualitten. nicht wahr, tanya!" zuckersu war ihre stimme geworden.

tanya rollte die augen, merkte aber, dass ihre wangen wieder warm wurden. "ach, jetzt hr doch auf. du wirst nie mude bei dem thema."

mallory stutzte ihren kopf auf eine hand, lchelte su und antwortete schlicht in unschuldigem ton: "nein. nie!" tanya musste lachen. mit gespielt tadelndem ton ergnzte die rothaarige: "schlielich hast du mir immer noch nicht przise geschildert, wie genau er dich gefragt hat."

tanya seufzte, war aber mehr amusiert. sie hatte das thema tatschlich die ganze zeit gemieden, hatte mallorys anspielungen bewusst ignoriert und immer schnell das thema gewechselt. aber nun hatte sie ihre freundin wohl lange genug auf die folter gespannt.

"naja, im grunde gibt es da gar nicht so viel zu erzhlen." augenblicklich lehnte mallory sich ihr in gespannter erwartung entgegen. "du bist mit nosedive weg gegangen und wir saen allein an der theke. duke hat uns einen weiteren cocktail bestellt und ich hab mich fur den abend bedankt und gemeint, er knne nun aufhren den kavalier zu mimen." tanya ignorierte mallorys hochgezogene augen

auen und sprach weiter. "und duke, nun... er... er sagte, er spiele nicht, es wre ihm ernst. und dann hat er... uhm... hat er shakespeare zitiert." mallory blickte sie fragend an. "das war ein dramatiker dieses planeten. du hast sicher schon von romeo und julia oder hamlet oder othello gehrt?" mallory nickte. "die hat er alle geschrieben. jedenfalls hat duke ein zitat aus einem shakespeare-stuck aufgesagt. ich war ziemlich erstaunt und hab den dialog reflexartig ergnzt..."

"oho", schnurrte tanyas zuhrerin. "ihr habt euch also mit liebeslyrik bezirzt?"

tanya wusste nicht was sie erwidern sollte. ein einfaches "nein" wre gelogen gewesen. so nahm sie einen schluck von ihrem kaffeegetrnk und fuhr dann hastig fort. "jedenfalls hat er mich dann gefragt-"

"moooment. was hat er getan? wie hat er dich angeschaut? hat er deine hand genommen? mehr details!" tanya blickte mallory forschend an, sah aber nur ehrliche freude und neugier in ihren glnzenden augen. sie holte tief luft und sprach dann etwas nervs weiter, den blick fest auf den tisch geheftet.

"duke hat sich mir zugewandt und mich lange angeschaut. ich wusste gar nicht, wohin ich selbst sehen sollte, weil mir sein blick so unangenehm war. nein, nicht unangenehm... ich wei nicht, er hat mich nervs gemacht." mallory nickte verstndnisvoll. "als ich ihn dann doch wieder ansah, sagte er mit ganz vernderter, dunkler stimme, dass er zuweilen so dumm wie blind sei, aber dass er nicht mehr vorhtte, das offensichtliche zu ubersehen." tanya musste sich ruspern und nahm erneut einen schluck aus ihrem glas. mallory schaute sie immer noch geduldig wartend an. "dann hat er seine hand... auf meine schulter gelegt und gefragt, ob ich... uhm... ob ich ihm die ehre erweisen wurde mit ihm auszugehen." tanya glaubte ein glucksen aus mallorys richtung zu hren, aber als sie sie ansah, blickte diese genau wie zuvor. "er... sagte das wirklich sehr ernst und schaute mir so tief in die augen, dass ich... ich konnte einfach nicht antworten und dann kamen auch schon wildwing und grin." gedanklich ergnzte sie: zum gluck!

mallory lehnte sich in ihrem stuhl zuruck und pfiff leise und amusiert. "hm, der alte casanova hat's wirklich drauf." sie lachte verhalten und griff dann nach tanyas hand, die nervs auf ihrem stuhl hin und her rutschte.